(Kein) Tag der deutschen Zukunft (TddZ) in Chemnitz!

Am 01.06.2019 waren wir mit einer großen Gruppe Genoss*innen aus dem ganzen Land unterwegs in Chemnitz zur Demo gegen den „Tag der deutschen Zukunft“.

Der Naziaufmarsch konnte nach 170 Teilnehmer*innen in Goslar 2018 dieses Mal lediglich 250 Nazis mobilisieren, was die Rechten, so zu sehen beim Redebeitrag von Michael Brück (1. Bundesgeschäftsführer DIE RECHTE Dortmund), als Misserfolg werteten, da sie in Chemnitz nach den vergangenen Geschehnissen mit einem Heimspiel rechneten.
Dass es nicht zu tausendfacher Mobilisierung kam, ist natürlich positiv zu bewerten, allerdings blieb der Widerspruch in Chemnitz Sache der (organisierten) Antifaschist*innen. Ein Grund für dieses fehlende Mobilisierungspotenzial dürfte der breit angekündigte Gegenprotest gewesen sein, ein weiterer ist jedoch im elitären Habitus der TddZ-Organisatoren zu suchen, die sich durch ihr militantes und plakatives Auftreten und das zur Schau tragen direkter NS-Bezüge für bürgerliche Anschlüsse untauglich machen. Diese führten in den vergangenen Vorfällen in Chemnitz zu Massenmobilisierungen und ließen die extreme Rechte so schlagfertiger wirken, als sie es scheinbar tatsächlich ist.
Das Bürger*innenfest zeigte sich bunt und tolerant, mit der direkten Konfrontation hatte die CDU-geführte Regierung jedoch wieder einmal nichts zu tun. Auch Chemnitzer*innen zeigten nur an wenigen Stellen mit Transparenten und Solidaritätsbekundungen Flagge, ansonsten spielte sich bei Eis-Essen und Stadtspaziergang das ganz normale bürgerliche Leben in Chemnitz ab, während rechtsterroristische Strukturen die Szenebühne nutzen wollten.

Rund 2.000 Antifaschist*innen, darunter ein organisierter schwarzer Block von ca. 200 Menschen konnte das Bündnis Chemnitz Nazifrei den Nazis dann tatsächlich entgegenstellen. Die Polizeiführung lies die Gegendemo sehr nah an das Nazibündnis ran, sorgte jedoch mit einem Aufgebot der Spezialklasse (BFE+, USK, BFE, mehrere Hundertschaften aus Niedersachsen, Sachsen, BaWü und NRW waren zu sehen) für eine rigorose Trennung der Lager.
An manchen Stellen, und hier müssen wir als organisierte Antifas die Latte der Selbstkritik (und da nehmen wir uns selbst nicht aus) anlegen, wären allerdings durch einen gut organisierten und vor allem konsequent handelnden Schwarzen Block mehr Durchbrüche möglich gewesen. Klar, es gibt da ein Risiko. Es wird Verhaftungen und Verletzte geben. Wenn wir uns als revolutionär und militant beschreiben und dies in unseren Parolen, wie auch in Chemnitz, auf die Straße tragen, müssen wir dieses Risiko allerdings eingehen, um schlagkräftig Naziveranstaltungen zu zersprengen und der Staatsmacht die Zähne zu zeigen. Wollen wir das nicht, so können wir in Zukunft zumindest die revolutionären Parolen sein lassen. Gleiches gilt für die Möglichkeit, Faschos bereits bei Ihrer Anreise anzugreifen und an der Weiterfahrt zu hindern. Hier darf nicht gezögert werden!

Auch einige Köpfe aus dem Umfeld des Aktionsbüros Mittelrhein (ABM) zeigen sich aktiv, wenn diesmal auch weniger selbstbewusst. Christian Häger (Angeklagt im ABM-Prozess, jetzt auch Vorsitzender der NPD-Jugend „Junge Nationalisten“ JN) glänzte mit einer improvisierten und wenig ehrgeizigen Rede („Ja Symbol, auf die Straße stellen, blah“). Außerdem führte er Ordnertätigkeiten aus. https://www.flickr.com/photos/soerenkohlhuber/47985708326/in/album-72157708886802012/

Sven Skoda (Angeklagt im ABM-Prozess, 2. Bundesgeschäftsführer DIE RECHTE Dortmund), war ebenfalls sehr stolz bei Rede schwingen, sah dabei äußerst schlecht gelaunt und ängstlich aus. Dennoch verkündete er nicht weniger als „Den Widerstand bis zum Tod oder bis zum Tod dieses Systems“. Er ist im Gegensatz zu Häger mittlerweile ziemlich rund und trägt mit grimmigem Blick in Richtung Gegendemo die deutsche Faulpelzplauze zur Schau.https://www.flickr.com/photos/soerenkohlhuber/47985619613/in/album-72157708886802012/
So wie die beiden momentan aussehen, dürfte das Ende ihres Widerstands ihnen näher sein als der Endsieg. Insgesamt sprach die Haltung vieler Neonazis an diesem Tag Bände.

Nichtsdestotrotz möchten wir uns für eine alles in allem gute Orga, die schnelle und unkomplizierte sowie sichere An- und Abreise gewährleistete, bei den verantwortlichen Gruppen und Genoss*innen genauso möchten wir bei den örtlichen Chemnitzer Antifaschist*innen für eine kämpferische und solidarische sowie zahlenmäßig weit überlegene Gegendemonstration bedanken! ♥

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